E10–Kraftstoff
Fragen über Fragen und kein Ende
Seit Wochen herrscht nun das Chaos um den neuen Biokraftstoff E10. Der Verbraucher zeigt dabei den Mineralölkonzernen und der Bundesregierung, wie viel Macht er doch tatsächlich besitzt.
Überall besteht Verwirrung, die Kunden wurden über den neuen Benzinkraftstoff nicht umfänglich aufgeklärt und lehnen ihn deshalb ab. Die Politik eiert rum, die Mineralölindustrie lehnt jede Schuld ab, die Automobilhersteller hüllen sich mehr oder minder in Schweigen. Und dazu kommt, das jeden Tag neue Experten neue Argumente für oder gegen E10 ins Feld führen. Kein Wunder, dass der Verbraucher dann verwirrt ist und sich vorsichtshalber gegen E10 entscheidet.
Wir als Ihr Mercedes-Benz Partner wollen Ihnen dabei helfen, die Situation rund um den Kraftstoff E10 zu verstehen. Eine Entscheidung, ob Sie dann E10 tanken oder nicht, können und wollen wir Ihnen aber nicht abnehmen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn jeder stellt sich die entscheidenden Fragen. Was ist wenn?
Was ist wenn der Biokraftstoff meinen Motor kaputt macht?
Wer haftet dafür und ersetzt mir den Schaden?
Wer trägt das Risiko, wenn ich E10 tanke?
Das sind im Kern die Fragen, die sich jedem Fahrzeugbesitzer stellt und ihm keiner wirklich beantwortet.
Aber fangen wir von vorne an und beginnen mit der Frage was ist E10?
E10 ist ein Benzinkraftstoff, dem 10 % Bioethanol beigemischt werden. Das bisherige Superbenzin mit 95 Oktan wird als E5 bezeichnet, da es bereits 5 % Bioethanol-Beimischung hat. Der E10-Kraftstoff ist Kennzeichnungspflichtig und muss an den Tankstellen gesondert ausgewiesen werden. Bisher wurde der Kraftstoff im Süden und Osten Deutschlands eingeführt. E10 muss in allen EU-Mitgliedsstaaten seit Ende 2010 angeboten, darauf hat sich die EU im April 2009 verständigt.
E10 besteht zu 10 % aus auf pflanzlich basierten Ethanol, also nicht auf fossilem Erdöl. Ziel ist es, einen umweltfreundlichen Kraftstoff zu etablieren und damit sich auch etwas weniger abhängig von den erdölexportierenden Ländern zu machen. Bioethanol wird meistens aus Weizen, Mais oder Zuckerrüben gewonnen und gibt bei der Verbrennung nur soviel CO² ab, wie die Pflanze während ihres Wachstum aufgenommen hat. Damit ist Bioethanol CO² neutral. Der Ottokraftstoff E10 ist günstiger an den Tankstellen als das bisherige Super-Benzin, allerdings führt E10 auch zu durchschnittlich ca. 5 % Mehrverbrauch.
Dieselfahrer sind also von dieser Diskussion nicht betroffen und können weiterhin beruhigt tanken.
Kommen wir zurück auf unsere drei Kernfragen und versuchen uns diese zu beantworten.
Die Politik trägt die Verantwortung für die Einführung vom E10. Die EU hat dies 2009 beschlossen, die Bundesregierung zum Ende 2010 umgesetzt. Die Verantwortung für die Folgen oder gar Schäden wird von dieser Seite wohl kaum übernommen werden.
Die Mineralölkonzerne haben es im Grunde genommen versäumt, seit bekanntwerden der E10-Regelung, umfassend über den Kraftstoff aufzuklären. Eineinhalb Jahre haben dafür anscheinend nicht ausgereicht und jetzt versucht man den „Schwarzen Peter“ wieder los zu werden. Aufgrund der bisherigen Produktpolitik der Mineralölkonzerne ist davon auszugehen, das Regressansprüche von deren Seite auch alle weitgehend abgelehnt werden.
Die Automobilhersteller erteilen Freigaben für den Kraftstoff, so auch Mercedes-Benz. Bis auf wenige Ausnahmen können fast alle Mercedes-Benz Fahrzeuge mit Benzinmotor E10 getankt werden.
Ausnahmen sind beispielsweise:
• Oldtimer
• Fahrzeuge bei denen ausdrücklich Super Plus Kraftstoff vorgesehen ist
• die erste Generation von Vierzylinder-Direkteinspritzern (CGI)
• sowie Fahrzeuge bei denen kein geregelter 3-Wege Kat verbaut ist.
Sie können über den unten aufgeführten Link eine detaillierte Aufstellung laden, in der alle für E10 nicht freigegebenen Fahrzeugmodelle von Mercedes-Benz aufgeführt sind.
So kulant die Fahrzeughersteller auch teilweise sind, es ist aber davon auszugehen, das Kulanzen nur innerhalb der üblichen vom Hersteller gewährten Garantiezeiten erfüllt werden.
Und so sind wir dann schon fast bei der Beantwortung der Eingangs gestellten drei Fragen.
Was ist wenn der Biokraftstoff meinen Motor kaputt macht?
Wer haftet dafür und ersetzt mir den Schaden?
Wer trägt das Risiko, wenn ich E10 tanke?
Stand heute muss man diese wohl wie folgt beantworten:
Fahren Sie ein neueres Fahrzeug, das sich noch im Garantiezeitraum befinden, werden Sie sich auf die Fahrzeuggarantie berufen können. Wie der jeweilige Fahrzeughersteller das dann im Einzelnen handhabt, wird sich zeigen müssen. Von Seiten der Mineralölproduzenten und der Politik wird Ihnen im Schadensfall sehr wahrscheinlich nicht geholfen werden. Also, es sieht dann leider so aus, das Sie das Risiko und im schlimmsten Fall den Schaden tragen müssen. Nur, das tragen Sie heute mit Verwendung der anderen Kraftstoffe bereits auch.
Es ist stark davon auszugehen, das E10 mit aller Macht in den Markt eingeführt werden wird. Im Laufe der Zeit wird E5 deutlich teurer werden und nach und nach vom Markt verschwinden. So ähnlich, wie es bereits mit dem „Normal-Benzin“ geschehen ist. Wie schädlich E10 für die Fahrzeugmotoren sein wird oder nicht, das wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen, wenn wir alle den Langzeittest gemacht haben. Momentan hat E5 aber noch einen Bestandsschutz und muss für alle Fahrzeuge, die nicht E10 vertragen, vorgehalten werden.
Jeder, der jetzt immer noch verunsichert ist, sollte dann lieber auf sein Bauchgefühl hören und Super-Benzin tanken, wenn ihm dabei wohler ist.